Dr. Martin Oswald,
Professor für Kunst,
Weingarten, 2012
„Heloisa Corrêas Sprache ist die Farbe. Sie befragt in einer zeitgenössischen Diktion, was einst Paul Cézanne aussprach: “ Für den Maler sind nur die Farben wahr“. Malen ist für Heloisa ein ständiger Dialog mit dem Bild, eine Farbe fordert die nächste, es entwickelt sich im Prozess der Bildfindung eine Eigendynamik, ohne dass die Künstlerin wie sie es ausdrückt, „die Kontrolle über das Bild“ verliere. Und so hat ihre ungegenständliche Malerei viel mehr mit rationaler Steuerung zu tun als mit gestisch-seelischen Eruptionen, die wir nur allzu gerne in solche Bildwelten hineininterpretieren. Die Künstlerin selbst betracht diese Bilder auch als Metapher des Lebens, das sich stets bewegt zwischen den Polen Chaos und Ordnung.
Wer Heloisa Corrêas malerische Entwicklung verfolgt, dem fällt auf, dass ihre jünsten Bilder weniger „koloristisch“ sind, also nicht mehr das gesamte Spektrum der gesättigt aufgetragenen Primärfarben benutzen. Dafür wirken viele Passagen sogar noch nuancierter. Die bewusst schmalere Palette und der Verzicht auf Buntheit kann einerseits als gesteigerte Sensibilität für die Farbigkeit feiner Abstufungen interpretiert werden. Die Künstlerin selbst deutet es pragmatich als Antwort auf ihre neue und zugleich Heimat, die um so viel bunter und heller ist als Europa. Eine Entwicklung des Kolorits übringens, wie sie sich einst auch im Werk der jungen Luisa Richter beobachten ließ. Nicht ohne Grund verbindet die beiden heute eine Generationen übergreifende Freundschaft. Zugleich kehrt Heloisa zu jener reduzierten Farbigkeit zurück, die auch ihre hervorrangenden Arbeiten auf Papier auszeichnen.“ [Auszug]
Dr. Martin Oswald, Kunstwissenschaftler und Professor für Kunst
Pädagogische Hochschule Weingarten
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